Technik · Spezifikation · Musterabgleich
Strickwaren-Fachbegriffe: Was Gauge, Fully Fashioned und Linking wirklich bedeuten
Ein Fachwort ist erst hilfreich, wenn klar ist, welche Produkteigenschaft, Maschinenentscheidung oder Freigabe dahintersteht. Dieses Glossar übersetzt achtzehn Begriffe in prüfbare Fragen für Design, Einkauf und Produktentwicklung.

Kurzantwort
Ein Begriff beschreibt einen Teil der Lösung – nicht automatisch das fertige Produkt.
Gauge ordnet zunächst die Nadelteilung einer Strickmaschine ein. Fully Fashioned beschreibt formgerecht gestrickte Teile. Linking bezeichnet das maschengenaue Verbinden solcher Teile. Intarsia und Jacquard können beide mehrfarbige Motive erzeugen, bauen die Farbflächen und Rückseite aber unterschiedlich auf.
Schreiben Sie nie nur das Fachwort in den Produktbrief. Ergänzen Sie Referenz, Zielwirkung, Material, Maße, Vorder- und Rückseitenansicht sowie die Eigenschaft, die am Muster freigegeben werden soll.
Die folgenden Definitionen helfen bei der Kommunikation. Welche Kombination technisch sinnvoll, kalkulierbar und serienfähig ist, muss am konkreten Garn, Modell, Muster und Maschinenweg geprüft werden.
Masche & Feinheit
Fünf Grundbegriffe, die nicht austauschbar sind.
| Begriff | Kurz erklärt | Was im Projekt zusätzlich festzulegen ist |
|---|---|---|
| Gauge / Feinheit | Nadelteilung der Maschine, häufig als Nadeln pro Zoll des Nadelbetts beschrieben. Eine höhere Zahl steht grundsätzlich für eine feinere Maschinenteilung. | Garnnummer, Bindung, Zielgewicht, Griff und reale Maschenprobe; Gauge allein ist keine fertige Stoffdichte. |
| Course / Maschenreihe | Horizontal verlaufende Folge gebildeter Maschen. | Reihen pro Messfläche und die Messmethode am entspannten beziehungsweise konditionierten Muster. |
| Wale / Maschenstäbchen | Vertikale Säule ineinandergreifender Maschen. | Stäbchen pro Messfläche, Musterverzug und Messrichtung. |
| Stitch length / Maschenlänge | Garnlänge, die in einer Masche verarbeitet wird; sie beeinflusst unter anderem Dichte und Griff. | Maschineneinstellung und freigegebene Probe statt eines isolierten Zahlenwerts. |
| Swatch / Maschenprobe | Kleine reale Strickprobe zur Bewertung von Material, Farbe, Bindung, Dichte und Ausrüstung. | Versionsname, Garnpartie, Wasch-/Finishzustand und dokumentierte Freigabekriterien. |
Nicht verwechseln: Maschinengauge, gemessene Maschenstäbchen/-reihen und handwerkliche „Maschenprobe“ beantworten verwandte, aber nicht identische Fragen.
Konstruktion & Verbindung
Nahttypen bei Strickwaren beginnen mit der Konstruktion.
Die allgemeine Frage nach einem Nahttyp ist bei Strickwaren zu breit. Zuerst muss feststehen, ob formgerecht gestrickte Teile maschengerecht gekettelt, anders vernäht oder in einer weitgehend zusammenhängenden Konstruktion aufgebaut werden. Danach lassen sich Breite, Elastizität, Optik und Belastung am realen Muster prüfen.
| Begriff | Kurz erklärt | Prüffrage für Marke und Einkauf |
|---|---|---|
| Flat knitting / Flachstrick | Maschinelles Stricken auf einem flachen Nadelbett; geeignet für geformte Teile, Flächen und unterschiedliche Strukturen. | Welche Maschinenbreite, Feinheit und Technik benötigt das Modell? |
| Fully Fashioned | Vorderteil, Rückenteil oder Ärmel werden durch Zu- und Abnehmen formgerecht gestrickt, statt die Kontur vollständig aus einer großen Fläche auszuschneiden. | Welche Formteile entstehen, welche Kanten bleiben sichtbar und wo werden Teile verbunden? |
| Linking / Ketteln | Strickteile werden maschengerecht entlang definierter Kanten verbunden. | Welche Nahtbreite, Elastizität, Optik und Belastbarkeit muss die Verbindung erreichen? |
| Knit and wear / Whole garment | Körper und Ärmel werden weitgehend als zusammenhängende, teils röhrenförmige Elemente auf der Maschine aufgebaut und verbunden. | Ist diese Bauweise für Modell, Garn, Größe, Design und verfügbaren Maschinenweg tatsächlich vorgesehen? |
Fully Fashioned ist nicht automatisch nahtlos
Formgerecht gestrickte Einzelteile können weiterhin durch Linking oder andere Nähte verbunden werden.
„Nahtlos“ ist keine vollständige Spezifikation
Hals, Bündchen, Taschen, Öffnungen, Trims und Nacharbeit müssen trotzdem modellbezogen beschrieben werden.
Bindung, Oberfläche & Farbe
Neun Musterbegriffe brauchen Vorder- und Rückseitenentscheidung.
| Begriff | Kurz erklärt | Mögliche Folge für die Freigabe |
|---|---|---|
| Jersey | Grundbindung mit typischer rechter und linker Warenseite. | Kantenrollung, Transparenz, Gewicht und Rückseitenbild prüfen. |
| Rib / Rippe | Wechsel rechter und linker Maschensäulen mit deutlicher Querdehnung. | Rippenrapport, Rücksprung, Bundmaß und Anschluss festlegen. |
| Cable / Zopf | Maschengruppen werden versetzt beziehungsweise gekreuzt und bilden Relief. | Rapport, Plastizität, Gewicht und Maßveränderung am Muster prüfen. |
| Tuck / Fang | Eine Masche hält zusätzliche Fadenschlingen, bevor sie weiter abgestrickt wird. | Struktur, Breite, Elastizität und mögliche Fadenspannung bewerten. |
| Float / Flottung | Garn wird über nicht strickende Nadeln geführt und liegt über eine Strecke auf der Rückseite. | Maximale Flottung, Hängenbleiben, Rückseitenabdeckung und Gewicht prüfen. |
| Intarsia | Getrennte Farbfelder werden mit eigenen Garnführungen aufgebaut, ohne jede Farbe durch die gesamte Reihe zu führen. | Farbfeldgrenzen, Fadenenden, kleine Details und Übergänge bemustern. |
| Jacquard | Mehrfarbige beziehungsweise strukturelle Musterung mit programmierter Nadelauswahl und definierter Rückseitenkonstruktion. | Vorderseite, Rückseite, Farbzahl pro Reihe, Dicke und Elastizität festlegen. |
| Plating | Zwei Garne werden so geführt, dass sie bevorzugt auf unterschiedlichen Warenseiten erscheinen. | Farbdeckung, Garnlage, Durchscheinen und Stabilität kontrollieren. |
| Transfer | Maschen werden zwischen Nadeln beziehungsweise Nadelbetten umgesetzt. | Loch-, Struktur- oder Formeffekt sowie lokale Belastung am Muster prüfen. |
Ein Artwork reicht für Intarsia oder Jacquard nicht aus. Eine belastbare Entwicklung benötigt mindestens gewünschte Vorderseite, akzeptierte Rückseite, Farbdefinition, Motivposition, Maßbezug und eine reale Probe im vorgesehenen Garn.
4 Käufer-Checkpoints
Verwenden Sie Fachbegriffe an der richtigen Freigabestelle.
- Im ProduktbriefBegriff plus Referenzbild, Zielwirkung, Material, Farbe, Maß und relevante Rückseitenanforderung nennen.
- Im AngebotPrüfen, welche Konstruktion und welcher Maschinenweg kalkuliert wurden; Alternativen und Ausschlüsse schriftlich trennen.
- Am MusterBegriff nicht abstrakt bestätigen, sondern Griff, Maße, Gewicht, Struktur, Verbindung, Vorder- und Rückseite an einer benannten Version bewerten.
- Vor der SerieFreigegebene Garn-, Programm-, Maß-, Farb- und Verarbeitungsversion in Tech Pack, Kommentaren und Bestellung zusammenführen.
Technische Primärquellen
Definitionen direkt an Maschinen- und Ausbildungsquellen rückbinden.
Die folgenden Quellen wurden am 25.08.2026 geprüft. Maschinenkonfigurationen, Markenbegriffe und technische Software ändern sich; für ein konkretes Projekt ist die freigegebene technische Spezifikation maßgeblich.
- CottonWorks: Knit Basics — course, wale, knit, tuck und float
- CottonWorks: Gauge und Stichzählung unterscheiden
- KARL MAYER STOLL: knit and wear® Technik
- KARL MAYER STOLL: Knit and Wear Introduction
- KARL MAYER STOLL: aktuelle deutsche Modulbegriffe
Markenhinweis: Produkt- und Techniknamen ihrer jeweiligen Inhaber dienen hier nur zur technischen Einordnung. Sie belegen weder eine allgemeine Maschinenverfügbarkeit noch die Eignung für jedes KnitSeek-Projekt.
Technische Idee einordnen
Senden Sie Referenz, Produktart, Zielgriff, Garnidee und offene Fachbegriffe.
So lässt sich vor dem Sampling klären, welche Angaben bereits belastbar sind und welche Konstruktion erst an einer realen Probe entschieden werden kann.
